Die Grafen Rantzau

Die Zeit vor den Rantzaus

Wahrscheinlich entstand der Ort Woldenhorn (seit 1869 Ahrensburg) im 12. Jahrhundert im Bereich zwischen der heutigen Schlosskirche und der Straße „Lohe“.

Die erste urkundliche Erwähnung fand der Ort 1314. Der Schauenburger Graf Johann III. tauschte 1327 dieses Gebiet, das sind die heutigen Stadtteile Ahrensburg, Ahrensfelde, Beimoor und das Dorf Meilsdorf, gegen Trittau.

So kam dieser Bereich unter die Verwaltung des Klosters Reinfeld. Mit der Reformation fielen die Kloster-Vogteien an die dänische Krone.

Die Ahrensburger Rantzauzeit

Auf Befehl des dänischen Königs Friedrich II. ging 1567 der Meierhof Woldenhorn mit den Dörfern Beimoor, Meilsdorf, Ahrensfelde und Bünningstedt an Daniel Rantzau. Damit endeten 240 Jahre Klosterherrschaft und ein neues Adelsgut entstand.

Daniel Rantzau, 1529 auf Deutsch-Nienhof geboren, studierte u. a. im Hause Melanchthons und wurde so den Lehren Martin Luthers nähergebracht. Er trat in den Dienst seines schleswig-holsteinischen Herzogs Adolf und später dann in den Dienst des dänischen Königs Friedrich II. Hier begann seine militärische Karriere, die ihn bis zur Stellung eines Feldmarschalls brachte. Als Anerkennung seiner Verdienste und in Begleichung der königlichen Schulden bei Daniel Rantzau erhielt dieser die Vogtei Woldenhorn als Lehen. Daniel Rantzau fiel 1569 in einem Gefecht in Schweden und konnte sein Lehen nicht übernehmen.

Sein Bruder Peter Rantzau erbte die Besitztümer des Daniel Rantzau, u. a. die Troyburg bei Tondern und Woldenhorn. Peter Rantzau war Amtmann in Flensburg, nicht unvermögend, und stand in der Gunst des Königs. Nach Antritt dieses Erbes entschied er sich, in Woldenhorn die alte Burgruine „Arnesvelde“, im Hagen gelegen, nicht wieder aufzubauen, sondern eine „Burg“, seine Ahrensburg, 3 km weiter nördlich zu errichten.

In 20-jähriger Bauzeit entstand sein Herrenhaus nach dem Vorbild des Glücksburger Wasserschlosses im Renaissance-Stil. Parallel dazu baute er seine Schlosskirche und die 24 Gottesbuden. Auf der künstlich angelegten Schlossinsel standen die Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude des adligen Gutes, am Rande die Wassermühle.

1596 wurden Kirche und Gottesbuden geweiht und das Schloss, mit großem Reichtum versehen, bezogen. Die von ihm errichteten Gottesbuden dienen seit über 400 Jahren der Beherbergung und Pflege der Bedürftigen. In seinem Vermächtnis machte Peter Rantzau seinen Nachfahren zur Auflage, sein soziales Werk unter allen Bedingungen zu erhalten. Die verbliebenen 22 Gottesbuden gehören heute als soziale Einrichtung zur Schlosskirchen-Gemeinde. Peter Rantzau starb 1602 und wurde von seiner 2. Ehefrau, Margarethe, um 27 Jahre überlebt.

Leibeigenschaft in Ahrensburg

Margarethe Rantzau, geb. von Siggen, erwarb sich den traurigen Ruhm einer sehr strengen, teils grausamen Guts- und damit Gerichtsherrin. Die Leibeigenen und Gutsbediensteten wurden teilweise für Nichtigkeiten hart bestraft. Sechs Generationen der Familie Rantzau führten das Schicksal des Gutes und seiner Menschen. Diese Zeit war neben ruhigen Abschnitten gezeichnet von den Leiden des 30-jährigen Krieges, der Nordischen Kriege und diverser Epidemien. Das Gut wurde mehrfach besetzt und geplündert. Durch die steigenden Ausgaben des dänischen Hofes wurden die Adligen zu noch mehr Abgaben gezwungen, diese wiederum erhöhten ihrerseits den Arbeitsdruck auf ihre Untertanen. Viele Leibeigene versuchten, sich durch Flucht diesem Druck zu entziehen. Wurden sie wieder aufgegriffen, drohten ihnen harte Strafen. Als 1715 Detlev Rantzau die Gutsgeschäfte übernahm, kam es zu Arbeitsniederlegungen und gegenseitigen Prozessen vor dem Oberlandesgericht in Glückstadt. Diese Spannungen führten zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Ertragskraft des Gutes und zwangen 1759 Christian Rantzau zum Verkauf des Betriebes an den Kaufmann und preußischen Geheimrat Heinrich Carl Schimmelmann.

Die Leibeigenschaft wurde 1788 in Ahrensburg abgeschafft, ein Gedenkstein im Schlosspark erinnert an dieses Ereignis.

Die Familie der Rantzaus ist auch heute noch in Nordeuropa aktiv, sei es in der Landwirtschaft, dem internationalen Handel oder dem Sport.

Henning Penther 
© Historischer Arbeitskreis Ahrensburg  
Januar 2007 


Quellen

Stadtarchiv Ahrensburg

Landesarchiv Schleswig

Reichardt, W. Herzfeld, W. Pioch, W: Grafen, Lehrer und Pastoren. Husum 1995