Das Tunneltal

Luftbild des Stellmoor-Ahrensburger Tunneltals in Blickrichtung Norden 
links oben Stadt Ahrensburg, rechts Ortsteil Ahrensfelde, unten rechts Ortsteil am Hagen, blühende Rapsfelder, mittig Bahnstrecke Richtung Ahrensburg. Quelle: Kreisarchiv Stormarn

Das Stellmoor-Ahrensburger Tunneltal ist heute ein rund 339 Hektar großes Naturschutzgebiet nahe der schleswig-holsteinischen Stadt Ahrensburg im Kreis Stormarn. Es verläuft längs der Bahnstrecke Lübeck–Hamburg in Richtung Stellmoor.

Geologisch gesehen stellt das Tunneltal eine glaziale Rinne dar. Glaziale Rinnen oder Tunneltäler entstanden unter dem Gletschereis der späten Eiszeit durch die abtragende Wirkung der Schmelzwässer (subglaziale Rinne). In Mitteleuropa sind sie vor allem im skandinavischen Vereisungsgebiet verbreitet. Typischerweise sind sie Bestandteil von Grundmoränenlandschaften. Durch jüngere Überprägung (z. B. Überschüttung der Grundmoräne) finden sich glaziale Rinnen aber auch in Urstromtälern und Sandergebieten.

Das Ahrensburger Tunneltal bildete sich durch Schmelzwasser unter dem Inlandeis, welches in der letzten Eiszeit dieses Gebiet bedeckte. Diese Schmelzwasser erodierten tief in den Untergrund und hinterließen am Ende der Eiszeit eine schmale längliche Rinne mit steilen Hängen, in deren geschützter Lage sich Eisreste, sogenanntes Toteis, erhalten konnte.

Vor ca. 13.000 – 10.000 Jahren war das Resteis bereits von einer Kies- und Sandschicht überdeckt und darüber befand sich ein See, an dessen Ufern sich Rastplätze der späteiszeitlichen Rentierjägerkulturen (Hamburger und Ahrensburger Kultur) befanden, die diesen natürlichen Engpass, den die Rentierherden auf ihren jährlichen Wanderungen passieren mussten, zur Jagd nutzten.

Zeichnung: Rekonstruktion eines Zeltes von Rentierjägern aus der Steinzeit. Quelle: Kreisarchiv Stormarn 

Das Tunneltal beherbergt international bedeutende archäologische Fundstätten. Wie erstmals Alfred Rust entdeckte, erhielten sich in den Feuchtsedimenten des heute verlandeten Sees zahlreiche organische Hinterlassenschaften der Ahrensburger Kultur, wie zum Beispiel ihrer Zelte, Holzpfeile und Werkzeuge. Der Kalkgehalt einiger dieser Sedimente schützte überdies zahlreiche Knochen von Beutetieren vor der Zersetzung durch Bodensäuren.


Verweise

IG Stellmoor-Ahrensburger Tunneltal e. V.  https://tunneltal.de/ 

Unser Artikel zu Alfred Rust 

Deutsche Geologische Gesellschaft – Geologische Vereinigung (DGGV)  https://www.dggv.de/geotope/stellmoor-ahrensburger-tunneltal-eine-wanderung-zu-eiszeitlichen-formen-und-kultururellen-highlights/