Ahrensburg gestern, Ahrensburg heute

 Ahrensburg unterlag im Laufe seiner Geschichte starken Wandlungen. Die Gründung von Ahrensburg geht auf ein Dorf mit Namen Woldenhorn zurück, das 1314 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

1569 gründete Peter Rantzau das adelige Gut Ahrensburg. Er ließ das Schloss in den Aueniederungen und die Schlosskirche mit Gottesbuden im Dorf Woldenhorn errichten.

Im 18. Jahrhundert erlebte das Dorf Woldenhorn eine große Veränderung. Als Heinrich Carl Schimmelmann 1759 das Schloss von den Rantzaus übernahm, entschloss er sich, das Dorf Woldenhorn umzugestalten. Schimmelmanns Vorstellungen für dessen Neugestaltung sollten dem damaligen barocken Zeitgeschmack folgen, nach dem Straßen, Bauten und Gärten einer strengen Symmetrie zu folgen hatten. Diese symmetrische Anordnung ist bis heute in der Ahrensburger Straßenführung zu erkennen.

Die Große Straße von der Schlosskirche bis zum Rondeel bildet die Achse. Vom Rondeel gehen drei Straßen, die Manhagener Allee, die Hagener Allee und die Hamburger Straße strahlenförmig ab. Durch diese symmetrische Anordnung der Straßen wurde die Hamburger Straße mit Rondeel und die Große Straße ein Teil der Hamburg-Lübecker Chaussee, die erste gepflasterte Straße zwischen den beiden Großstädten Hamburg und Lübeck, die im Jahr 1843 fertiggestellt wurde. Das Dorf Woldenhorn erhielt damit eine verkehrsgünstige Lage

Weitere Verkehrsanbindungen waren für die Entwicklung des Dorfes Woldenhorn ausschlaggebend. Im Jahr 1865 nahm die Lübeck-Büchner-Eisenbahn die Strecke Hamburg-Lübeck in Betrieb und das Dorf Woldenhorn bekam die heutige Bahnstation Ahrensburg.

Nachdem Schleswig-Holstein nicht mehr zum Dänischen Gesamtstaat gehörte, sondern preußische Provinz geworden war, wurde aus dem Gutsdorf Woldenhorn 1869 eine Landgemeinde. Die Vertreter dieser Gemeinde gaben dann dem Dorf Woldenhorn den Namen Ahrensburg.

In ihren Anfängen war die Gemeinde Ahrensburg ohne Grundbesitz. Die öffentlichen Flächen gehörten nach wie vor der Familie Schimmelmann. Um 1885 erwarb die Gemeinde Ahrensburg einen großen Flächenanteil des Dorfs. Von diesem Zeitpunkt an sorgte die Gemeinde für die Reinigung und Renovierung der Dorfplätze und Dorfstraßen. Es entstanden Hotels und Gaststätten. Durch die Bahnverbindung nach Hamburg setzte ein reger Ausflugsverkehr von Hamburg nach Ahrensburg ein.

Eine weitere Folge dieser Bahnverbindung war der Zuzug wohlhabender Kaufmannsfamilien aus Hamburg, da die wohlhabenden Bürger für ihre Familien verstärkt nach gesunden, großstadtfernen Wohngebieten suchten. Das Dorfleben entwickelte sich vom einfachen ländlichen bis hin zu großbürgerlichen Wohn- und Lebensformen. Die Einwohnerzahl der Gemeinde Ahrensburg stieg von 1.593 Personen auf 3.899 Personen im Jahr 1910.

Ab 1900 erstellte die Gemeinde Ahrensburg einen Bebauungsplan für die in ihrem Besitz befindlichen Dorfflächen. Äcker wurden zu Bauland. An den zwei vom Rondeel ausgehenden Alleen, östlich der Bahngleise, wurden zahlreiche Villen für die reichen Hamburger Kaufleute gebaut. Im Dorfkern entstanden zahlreiche Handwerksbetriebe und Läden. Die selbständigen Bauern im Dorf versorgten die Dorfbewohner mit Lebensmitteln. Im Jahr 1923 brachte die Eröffnung der U-Bahn-Linie eine weitere Verkehrsanbindung zwischen Ahrensburg und Hamburg.

Im Jahr 1929 wurden nach einer gesetzlichen Verordnung sämtliche adeligen Gutsbezirke aufgelöst. Dadurch vergrößerte sich die Gemeinde Ahrensburg flächenmäßig von 586 Hektar auf 3.009 Hektar. Zu den Flächen im Umkreis vom Schloss und dem Wald Hagen im Süden der Landgemeinde wurden die Gemeinden Wulfsdorf, Beimoor und Kremerberg der Gemeinde Ahrensburg zugeordnet. Damit boten sich für die Gemeinde Ahrensburg neue Entwicklungsmöglichkeiten.

In den 30er-Jahren verkaufte der letzte Gutsherr Graf Carl Otto von Schimmelmann das gesamte zum Gutshof gehörende Land. Der Verkauf großer Landflächen und deren Aufsiedelung vollzog sich innerhalb weniger Jahre. So entstand im Westen eine Siedlung auf Bünningstedter Gebiet (Daheim), die in ihrer Versorgung und Lebensgefühl vollständig nach Ahrensburg tendierte, und im Süden, ca. 4,5 km vom Zentrum entfernt, entstand zu der Zeit eine völlig isoliert gelegene Franz-Seldte-Siedlung (seit 1936 in Siedlung Am Hagen umbenannt), deren Bewohner sich stärker nach Volksdorf als nach Ahrensburg hin orientierten.

Auf den 2.400 qm großen Siedlungsgrundstücken entstanden kleine Wohnhäuser mit Stallungen, in denen Kleinvieh gehalten wurde. Große Obst- und Gemüsegärten wurden für die Eigenversorgung angelegt. Im Zeitraum von 1932 bis 1936 wuchs die Zahl der bebauten Grundstücke in der Gemeinde Ahrensburg von 820 auf 1.401 und entsprechend wuchs die Bevölkerung von 5.430 auf 8.146 Personen.

Während des zweiten Weltkriegs blieb die Gemeinde Ahrensburg von Bombenabwürfen weitgehend verschont, sodass viele Menschen aus dem bombardierten Hamburg sowie Flüchtlinge und Vertriebene aus den Ostgebieten hier Unterkünfte suchten. Nach Kriegsende hatte sich die Bevölkerungszahl auf rund 18.000 Einwohner mehr als verdoppelt. Um diesen Zuwachs zu bewältigen, musste die Gemeinde Ahrensburg den Wohnungsbau fördern, Schulen bauen, Straßen anlegen und Flächen für Betriebe bereitstellen, die Arbeitsplätze schufen. 1949 nahm Erika Keck als erste weibliche Bürgermeisterin in der neu gegründeten Bundesrepublik für Ahrensburg die Stadtrechte entgegen.

Durch das sprunghafte Wachstum der Stadt Ahrensburg mussten der Wohnungsbau, die Gewerbeansiedlung und die Infrastruktur angepasst werden. Somit war es wichtig, eine ausreichende Flächenvorsorge für Wohnen und Gewerbe zu schaffen. 1972 erstellte die Stadt einen Flächennutzungsplan für das ganze Stadtgebiet. Dieser Plan wurde im Laufe der Zeit immer wieder geändert, um jeweils aktuellen Entwicklungen und Bedürfnissen gerecht zu werden. In den 60er und 70er Jahren wurden verstärkt der Geschosswohnungsbau mit Sozialwohnungen gefördert und Flächen für den Einfamilienhausbau ausgewiesen. 1980 entstand das Wohngebiet Gartenholz und 2012 bis 2013 das Wohngebiet Erlenhof.

Die Stadt Ahrensburg entwickelte sich auch zum attraktiven Gewerbestandort. Die ausgewiesenen Gewerbeflächen haben eine verkehrsgünstige Lage und dadurch eine hervorragende Verkehrsanbindung. Durch die Autobahnen A1, A20, A21, A24 nach Puttgarden, Lübeck, Hamburg und weiter nach Berlin besaß der Standort Ahrensburg ausgezeichnete Verbindungen.

Bestreben der Stadt war und ist es, Raum für innovative Ideen und zukunftsorientierte Unternehmen zu schaffen. Das erste Gewerbegebiet der Stadt war das Gewerbegebiet West entlang der Bogenstraße. Entfernung zur A1 betrug nur 8 Kilometer. Die entstandene Gewerbestruktur ist eine bunte Mischung aus Mittelstandsbetrieben. Viele Unternehmen schätzen die Kombination von verkehrsgünstiger Lage und hohem Imagefaktor der Stadt Ahrensburg. Die Nachfrage von ansiedlungswilligen Unternehmen war so groß, dass die Stadt beschloss, ein weiteres Gewerbegebiet auszuweisen. Das neue Gewerbegebiet entstand am Beimoorweg auf einer Fläche von 214 ha und weitere 21 ha auf einem Erweiterungsgebiet Beimoor-Süd.

Heute leben in der Stadt Ahrensburg ca. 35.000 Einwohner auf einer Gesamtfläche von 35,29 qkm. Davon sind ca. 963 ha Wohnfläche, ca. 253 ha Gewerbefläche, ca. 635 ha Waldfläche und 80 ha Wasserfläche. Ahrensburg besitzt z.Zt. 10 Schulen und 12 Kitas.

Als Wirtschaftsstandort nimmt Ahrensburg weiterhin eine wichtige Stellung in der Metropolregion Hamburg ein. Die Entwicklung dieser Region mit ihren 5 Millionen Einwohnern hat eine entscheidende Bedeutung für die Zukunft Deutschlands und Europas.


Quellen

Die Reihe „Archivbilder Ahrensburg“, Elke Petter und Martha Thiesing

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